Schlußbetrachtung

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Schlußbetrachtung

Zur Zeit des Deutschen Reiches sind im gesamten Herzogtum Fortschritt und Wachstum zu verzeichnen. Bei der Untersuchung der einzelnen Teilregionen und der einzelnen Kriterien wird deutlich, daß es im Grunde besonders den Gemeinden Rüstringen und Nordenham zu verdanken ist, daß ein erhöhtes Bevölkerungswachsum festzustellen ist. Die Entwicklung dieser industriellen Zentren Oldenburgs sind unter Miteinbeziehung Delmenhorsts der entscheidene Grund, daß für das Herzogtum, zum ersten Mal in seiner Geschichte, eine positive Wanderungsquote in der Statistik erwähnt wird. Weitere Gründe für die Zunahme der Bevölkerung sind unter anderen verbesserte medizinische Versorgung, neue Hygienestandards, bessere Ernährungsgrundlage, die die Sterbefallkurve nach unten gehen und in den Jahren zwischen 1895-1910 den Geburtenüberschuß auf 2,44 Prozent wachsen lassen. Die anderen Gemeinden verzeichnen hinsichtlich der Industrialisierung oder der landwirtschaftlichen Entwicklung ein im statistischen Mittel liegendes Wachstum. Ausschlaggebend dafür ist den meisten Fällen die schlechte Anbindung an die Infrastruktur. Kennzeichnend ist z. B. die Stagnation der Entwicklung in den Gemeinden Varel und Augustfehn. Varel war in den 1850er Jahren eines der industriellen Schwerpunkte des Herzogtums. Es gab neben drei Webereien mit mechanischen Webstühlen und vier Spinnereien, eine Eisengießerei, ein Hammerwerk und ein Walzwerk. In Augustfehn wurde 1856 ein Eisenhüttenwerk gegründet. Der entscheidende Grund für diese Ortswahl war, daß die Arbeit des Eisens mittels billigem Torf aus der Umgebung durchgeführt wurde. Aber wie der Industrie in Varel gelang es auch der Eisengießerei erst durch den Eisenbahnanschluß bessere Marktpositionen zu erreichen, wobei diese zusätzlich noch vom Ausbau des Augustfehnkanals und den damit verbundenen weiteren Absatzmöglichkeiten profitierte. Beide Gemeinden legen erst wieder nach Verbesserung der Infrastruktur an Wachstum zu, sie können aber den Vorsprung der anderen Gemeinden nicht mehr einholen. Auffällig ist, daß die entscheidenden Ursachen für das Wachstum in den meisten Fällen von außen an das Herzogtum herangetragen wurden. Rüstringen verdankt seinen Aufstieg Preußen, Nordenham und Delmenhorst dem Bremer Kapital. Die Industrialisierung in der Landwirtschaft wird nur langsam angenommen, wobei die entscheidenden Entwicklungen von England übernommen werden. Die oldenburgische Landesregierung war immer nur schwer von Neuerungen zu überzeugen. Bezeichnend dafür sind die Debatten im Landtag zum Thema Eisenbahnbau oder aber zur Einrichtung einer staatlichen Moorversuchsanstalt. Gegen Neuerungen führte die Landesregierung den relativen Wohlstand, der aus der Landwirtschaft kam ins Feld. Was aber wohl mit daran lag. daß im Oldenburger Landtag zur damaligen Zeit die Lobby der Landwirtschaft am einflußreichsten war, die wenig Interesse an der Industrialisierung zeigte. Weiter kann man feststellen, daß das Wachstum sich kaum auf die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse ausgewirkt hat, wenn man von Rüstringen und Delmenhorst absieht, die mit den Folgen und Problemen der Urbanisierung, wie alle anderen aufstrebenden deutschen Städte, zu kämpfen hatten. Auch in den Ergebnissen der politischen Wahlen ist ablesen, wo überhöhtes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen war. Postulieren wir, daß überall dort, wo das Bevölkerungswachstum normal und durchschnittlich, also den gegebenen sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen angepaßt ist, tritt keine starke Änderung im Wahlverhalten der Bevölkerung auf. So ist zu erkennen, daß in der Stadt Oldenburg, die von bürgerlichen Mentalität bis kurz vor dem ersten Weltkrieg beherrscht wird, die Linksliberalen und Nationalliberalen das Politikgeschehen bestimmen. In der Münsterländischen Geest bleibt es durchweg die Zentrumspartei. Gehen wir jetzt ein Schritt weiter und setzen die Sozialdemokraten mit Fortschritt und Veränderung im Zeitalter der Industrialisierung gleich, können wir in den Erfolgen der SPD ablesen, wo diese Kriterien eintraten. Es sind die Gemeinden Rüstringen, Nordenham-Einwarden-Blexen und Delmenhorst. Dort wurden die Sozialdemokraten zur stärksten Macht. Damit kann das Fazit gezogen werden, daß das überdurchschnittliches Wachstum, welches in der Zeit von 1885 bis 1910 im Herzogtum festgestellte wurde, in erster und nahe zu einziger Linie auf die industriellen Zentren zurückgeht, die von weit über die Landesgrenzen hinaus Zuwanderer nach Oldenburg lockten.

 

 

 

 

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